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Cranach-Häuser in Wittenberg

Wittenberg erlebte im 16. Jahrhundert eine ungekannte Blütezeit. Dieser Aufschwung war eine Folge des Ausbaus der Residenz und der 1502 ebenfalls durch Kurfürst Friedrich den Weisen vorgenommenen Universitätsgründung. Die Entscheidung, Wittenberg zum Sitz der neuen Hohen Schule zu machen, bedeutete, die Stadt sowohl baulich als auch sozial tiefgreifend umzugestalten. Innerhalb kurzer Zeit kamen viele Gelehrte und Studenten aus dem In- und Ausland nach Wittenberg. Der bereits 1486 begonnene Schlossbau zog hochrangige Künstler nach Wittenberg, darunter Cranach d. Ä., der 1505 als Hofmaler angestellt wurde und sich 1511/12 in der Stadt niederließ. Die Bedürfnisse der Universität, aber auch die humanistischen Interessen des Fürsten begünstigten den Aufstieg des Buchgewerbes, der ab den 1520er Jahren durch die von Wittenberg ausgehende Reformation weiter befördert wurde. Auch Cranach d. Ä. betrieb zeitweilig eine Druckerei.


Die Bebauung in der Stadt und auf den einzelnen Parzellen verdichtete sich, es kam zu Verdrängungsprozessen. Zahlreiche Häuser aus dieser Zeit sind bis heute erhalten und prägen das Stadtbild. Viele der schönsten und wertvollsten sind in der einen oder anderen Weise mit der Familie Cranach verbunden.


Beleuchtet man die Nachbarschaftsverhältnisse innerhalb der Stadt, was anhand der Steuerlisten, überlieferter Verträge und anderer Schriftzeugnisse gut möglich ist, so zeigt sich, dass die Cranachs mit allen führenden Wittenberger Familien in Kontakt standen. Viele davon waren im Buchgewerbe zu Wohlstand gekommen, viele waren im Rat, so auch Cranach d. Ä. ab 1519. Sein Sohn folgte ihm wohl 1544 nach. Das Bemühen, die soziale Stellung zu befestigen und das teilweise immense Vermögen auf Dauer zu sichern, wird auch in den Heiratsverbindungen sichtbar, die z. B. die Familien Cranach und Selfisch schlossen. Die Schwiegersöhne und -töchter der Cranachs stammten vorzugsweise aus erfolgreichen „Buchfamilien“ oder aus dem höfischen und universitären Milieu.