Luther 2017 Cranach 2015

Bürgermeisterstraße 12

Über das Gebäude

Allenfalls kurzzeitig war Cranach d. Ä. auch Besitzer des Hauses Bürgermeisterstraße 12 (früher Jüdenviertel 37). Laut der Steuerliste (Schoßregister) in der Kämmereirechnung von 1519 zahlte er für das Haus an Stelle von Hans Mewrer den Sommerschoss in Höhe von 15 Groschen. Den Winterschoß entrichtete wiederum Meurer oder seine Familie. Ab 1520 erscheint in den Registern Magister Philipp Reichenbach als Eigentümer.
Vermutlich ist Cranach 1519 mit der Schoßzahlung eingesprungen. Er war vom Rat als Vormund der Erben Meurers eingesetzt worden und veräußerte in dieser Eigenschaft das Haus an Reichenbach, der 1525 Nachfolger Andreas Meinhardts als Stadtschreiber wurde und ab 1530 wiederholt als Bürgermeister wirkte. Reichenbach beherbergte in seinem Haus in der Bürgermeisterstraße Katharina von Bora nach ihrer Flucht aus Kloster Nimbschen. Hier fand im Sommer 1523 die Verlobung Katharinas mit Martin Luther statt, in Gegenwart Cranachs und Bugenhagens.

Im „Türkensteuerregister“ von 1528 wird das Haus mit 180 Gulden bewertet. 1542 gab Philipp Reichenbach 500 Gulden als Wert an, hatte das Haus also zwischenzeitlich ausgebaut.
1638 war die Hausstelle Bürgermeisterstraße 12 unbewohnbar („wüst“). Heute steht hier ein 2004 errichtetes Gebäude, dem ein im 18. Jahrhundert entstandenes Fachwerkhaus weichen musste.
weiterlesen

Literaturhinweis

Insa Christiane Hennen, »Cranach 3 D«: Häuser der Familie Cranach in Wittenberg und das Bild der Stadt, in: Das ernestinische Wittenberg: Spuren Cranachs in Schloss und Stadt, im Auftrag der Stiftung LEUCOREA hrsg. von Heiner Lück u. a., (Wittenberg-Forschungen, Bd. 3), Petersberg: Michael Imhof Verlag 2015, S. 313-362. - Hier auch die ältere Literatur!