Luther 2017 Cranach 2015

Ecke Neustraße / Mittelstraße (unbebaut)

Über das Gebäude

Ungefähr gleichzeitig mit dem Haus Neustraße 8 brachte Cranach laut der Kämmereirechnung für 1521 auch das nahe gelegene Eckgrundstück Neustraße/Mittelstraße, im Stadtgrundriss von Goldmann als Elsterviertel 12 bezeichnet, in seinen Besitz. Hier stand mit großer Wahrscheinlichkeit die „Windmühle“, vielleicht ein turmartiges, freistehendes Haus. Eine archäologische Untersuchung ergab 2010 u. a. den Rest eines romanischen Steinbaus, der von dem auch schon zu Cranachs Zeiten historischen Gebäude übrig geblieben war.
Cranach behielt das Anwesen wenigstens bis 1542, später saßen dort mit Barthel Liberau und Nickel Moller zwei der führenden Wittenberger Buchbinder; es treten also auch hier Nachfolger als dem Buchgewerbe in Erscheinung, zu denen die Cranachs eventuell auch sonst Geschäftsbeziehungen pflegten. Im Zuge der erwähnten archäologischen Untersuchung wurde auch eine außergewöhnlich weit gespannte Kellertonne freigelegt, deren Existenz vermuten lassen könnte, dass die Buchbinder, und vorher, zu Anfang der 1520er Jahre, vielleicht schon Cranach hier eine Werkstatt betrieben, die große Lagerräume erforderte.

Das Türkensteuerregister aus dem Jahre 1528 verzeichnet einen Wert von 600 Gulden, 1542 werden für die "wyndtmolen" nurmehr 400 Gulden veranschlagt. 1638 bestand die zwischenzeitlich mutmaßlich erneuerte Bebauung aus einem zweistöckigen Fachwerkhaus, für das wie bisher jährlich 40 Groschen Schoß zu zahlen waren.
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Veränderungen in der Neustraße

Um 1520 wurde die Parzellierung in der südlichen Neustraße, der Zuschnitt der Grundstücke Elsterviertel 11 und 12 und Jüdenviertel 139 bis 141 verändert, und die bis dato nur von Norden her zugängliche Neue Gasse an die Mittelstraße angeschlossen.

Die Straßenbauarbeiten wurden 1518 aufgenommen. Die Kämmereirechnung für 1520 enthält bzgl. der Hausstelle Jüdenviertel 141 den Beleg einer Entschädigungszahlung. "21 ß [60 Gulden] hatt der Rath Phillip Tribitz vor sein Hauß gegebenn. Zur Newhennen gassen in die Fahrstraß kommen." Tribitz musste also einen Teil seines Grundstücks für die Anlage der Straße hergeben, offenbar jenen, auf dem sein Haus stand.

Damit verbesserte sich die Durchwegung und die Durchlüftung dieser Gegend der Stadt. Außerdem konnten neue Baugrundstücke ausgewiesen werden, die dringend benötigt wurden. Dem entsprechend wurden zwischen 1520 und 1523 die neu erschlossenen Hausstellen Jüdenviertel 131 bis 140 erstmals mit Schoß belegt.

Der Stadtpfarrer Johannes Bugenhagen zog 1523 auf das Grundstück Jüdenviertel 133 (Neustraße 14, südlicher Teil). Unter den Besitzern der Nachbargrundstücke finden sich in den Steuerlisten die Ratsherren Caspar Teuschel (Jüdenviertel 137, seit 1521) und Mathes Globigk (Jüdenviertel 135), die diese Flächen vermutlich als „Renditeobjekte“ kauften. Das Filetstück an der Ecke Neustraße/Mittelstraße ging, wie beschrieben, an Cranach.
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Literaturhinweis

Insa Christiane Hennen, »Cranach 3 D«: Häuser der Familie Cranach in Wittenberg und das Bild der Stadt, in: Das ernestinische Wittenberg: Spuren Cranachs in Schloss und Stadt, im Auftrag der Stiftung LEUCOREA hrsg. von Heiner Lück u. a., (Wittenberg-Forschungen, Bd. 3), Petersberg: Michael Imhof Verlag 2015, S. 313-362. - Hier auch die ältere Literatur!