Luther 2017 Cranach 2015

Amtshaus Hinter der Mauer

Über das Gebäude

1560/61 begegnet uns Cranach d. J. im Schoßbuch als Besitzer eines Hauses „Hinter der Mauer“ (heute Pfaffengasse), dessen Wert im Türkensteuerregister von 1528 mit 80 Gulden beziffert und 1542 mit 130 Gulden veranschlagt worden war. Besitzer war damals der Geistliche Johan Hartwigk, der bis 1553 dort ansässig blieb. Wie andere Geistliche hatte er im Zuge der Reformation ein lebenslanges Wohnrecht eingeräumt bekommen und war in der Stadt geblieben. Nach Hartwigks Tod fiel die Hausstelle an den Rat, der sie an Cranach, selbst Ratsmitglied, veräußerte. Die Kämmerei verzeichnete 1558 eine Einnahme "Extra ordinarie": "35 ß [36 Schock Groschen = 100 Gulden] von Lucas Cranach vor das heußlein so er vom Rath erkaufft." (1 Schock Groschen sind 60 Groschen).

Cranach nutzte das Haus bis 1586 wohl zur Vermietung. Nach seinem Tod wurde das Grundstück 1587 dem angrenzenden Marktviertel 26 zugeschlagen, so dass dessen Besitzer Dr. Lemmer fortan zusätzlich zum Schoß für sein Haus (jährlich 24 Groschen) die 8 Groschen für die „Bude“ zu zahlen hatte.

Der Bereich der heute bis zur Ecke Juristenstraße durchgängig als Pfaffengasse bezeichneten Straße war besonders stark von Neuordnungen und Umwidmungen betroffen, teilweise ausgelöst durch die Reformation. Andererseits war am Ende der Brüdergasse (heute Juristenstraße) 1519 mit der Errichtung des „Collegium iuridicum“ begonnen worden. In der Umgebung dieses neuen Universitätsgebäudes entstanden Wohnungen für Studenten und Lehrpersonal, häufig durch Investitionen, die Universitätsangehörige wie Paulus Eber, Joachim von Beust und wohl auch Dr. Lemmer tätigten. An den späteren Stadtpfarrer und Generalsuperintendenten Paulus Eber verkaufte Cranach 1553/54 die nahe gelegene Hausstelle Marktviertel 22, die er selbst 1552 erworben hatte (> s. Pfaffengasse (unbebaut)).
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Literaturhinweis

Insa Christiane Hennen, »Cranach 3 D«: Häuser der Familie Cranach in Wittenberg und das Bild der Stadt, in: Das ernestinische Wittenberg: Spuren Cranachs in Schloss und Stadt, im Auftrag der Stiftung LEUCOREA hrsg. von Heiner Lück u. a., (Wittenberg-Forschungen, Bd. 3), Petersberg: Michael Imhof Verlag 2015, S. 313-362. - Hier auch die ältere Literatur!