Luther 2017 Cranach 2015

Über das Gebäude

Im Jahre 1529 erscheint Cranach d. Ä. erstmals auch als Schoßpflichtiger für die Hausstelle Jüdenviertel 151. Interessant ist hier der Vorbesitzer Simprecht Reinhart, der über längere Zeit als Formschneider und Drucker für Cranach tätig war. Reinhart besaß das Grundstück von 1526 bis 1528. Er hatte es vom Rat oder vom Gemeinen Kasten erworben, dem es nach der Auflösung der Elendenbruderschaft zugefallen war. Die Bruderschaft hatte die mit zwei Gebäuden bebaute Liegenschaft seit mindestens 1481 versteuert. Die Rechnung des Gemeinen Kastens, der 1525 eingerichteten allgemeinen Kirchenkasse, verzeichnet 1526 unter den Einnahmen aus ›Abgelösten Hauptsummen‹ u. a. "17 ß 30 gr [von] Zumprecht buchdrucker vor die Elenden 2 heuser die im vor 100 fl [Gulden] vorkaufft". Reinhart bezahlte demzufolge 1526 die Hälfte des Kaufpreises oder Kredites (17 ß 30 gr sind 1050 Groschen gleich 50 Gulden). Der Wert des Hauses ist im Türkensteuerregister von 1528 mit 100 Gulden beziffert.

Nachfolger von Cranach war ein Matthes Meyer (1532), über dessen Beruf noch nichts bekannt ist. Auf ihn folgte spätestens 1550 der Drucker Wolf Furnschild. Er oder seine Erben veräußerten das Grundstück in den 1560er Jahren an den im selben Metier tätigen Veit Creutzer. Reinhart und Cranach zahlten wie die Elendenbruderschaft jährlich 15 Groschen Schoß, die Nachfolger den doppelten Betrag.

Laut des Einquartierungsverzeichnisses von 1638 ist die Hausstelle damals „wüst“; das von Arnimsche Leibregiment, das die Stadt verteidigen sollte, hatte das Haus im Vorjahr eingerissen.
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Literaturhinweis

Insa Christiane Hennen, »Cranach 3 D«: Häuser der Familie Cranach in Wittenberg und das Bild der Stadt, in: Das ernestinische Wittenberg: Spuren Cranachs in Schloss und Stadt, im Auftrag der Stiftung LEUCOREA hrsg. von Heiner Lück u. a., (Wittenberg-Forschungen, Bd. 3), Petersberg: Michael Imhof Verlag 2015, S. 313-362. - Hier auch die ältere Literatur!