Luther 2017 Cranach 2015

Über das Gebäude

Cranach d. J. heiratete 1541 in erster Ehe Barbara Brück (1518–50), seine ebenfalls auf den Namen Barbara getaufte Schwester (1520–1601) wurde zwei Jahre später (1543) die Frau von Christian Brück, so dass enge Beziehungen zwischen den beiden Familien bestanden. Die Familie Brück war seit 1518 bzw. 1522 am Markt ansässig und entrichtete bis etwa 1563 den Schoß für das Anwesen Markt 23 (früher Marktviertel 9). Dr. Gregor Brück (Pontanus) gehörte als Hofrat und Kanzler zum direkten Umfeld des Kurfürsten. Ab 1564 zahlte ein Dr. Johann Herrmann, der Barbara, die Tochter Cranachs d.J. aus der Ehe mit Barbara Brück geehelicht hatte. Der Sohn Cranachs d. J., Augustin Cranach († 1595) resp. seine Witwe, waren etwa von 1582 bis 1611 für Markt 23 schoßpflichtig.

Augustin Cranach war seit 1577 mit Maria Selfisch verheiratet. Sie stammte aus dem Haus Markt 3, war also ein „Nachbarskind“. Auf Augustin Cranachs Witwe und Erben folgte in Markt 23 zunächst Christoph Wüst (+ 1617), Verleger und gleichfalls ein Schwiegersohn Samuel Selfischs, dann um 1619 Michael Bluhme (1595-1649), Kaufmann, Ratsherr, Bürgermeister und Mäzen.
Der Wert des auch heute noch die Westseite des Marktplatzes dominierenden Hauses wurde 1528 anlässlich der Erhebung einer „Türkensteuer“, als es im Besitz Gregor Brücks war, mit 1.000 Gulden angegeben, 1542, nachdem offenbar Ausbauarbeiten stattgefunden hatten, mit 2.100 Gulden; auch damals wurde gegen die Türken aufgerüstet.

Zur Bauweise werden 1638 in einem überlieferten Einquartierungsverzeichnis keine Angaben gemacht, da Bluhme als Bürgermeister von der Aufnahme von Soldaten verschont war. Allerdings dürfte der damalige Bestand im wesentlichen dem heutigen Bauwerk entsprochen haben, das um 1560/70 errichtet wurde. Der Grundriss der beiden Obergeschosse ist sehr regelmäßig durchgebildet und basiert offensichtlich auf einem mathematischen Grundschema. Dadurch ähnelt das Haus dem Melanchthonhaus (1536) und der Alten Lateinschule (1564-65). Wir die Häuser Schlossstraße 1 und Markt 3 verfügt auch Markt 23 über einen auf Hofseite angebauten Wendelstein.
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Literaturhinweis

Insa Christiane Hennen, »Cranach 3 D«: Häuser der Familie Cranach in Wittenberg und das Bild der Stadt, in: Das ernestinische Wittenberg: Spuren Cranachs in Schloss und Stadt, im Auftrag der Stiftung LEUCOREA hrsg. von Heiner Lück u. a., (Wittenberg-Forschungen, Bd. 3), Petersberg: Michael Imhof Verlag 2015, S. 313-362. - Hier auch die ältere Literatur!