Luther 2017 Cranach 2015

Über das Gebäude

Lucas Cranach d. Ä. wurde am Wittenberger Markt ansässig, nachdem er im Herbst 1511 geheiratet hatte und aus der Malerstube im Schloss ausgezogen war. Dem Gerichts- und Handelsbuch ist zu entnehmen, dass die Nachkommen des Blasius Welmsdorf ihm das Haus Markt 4 (Marktviertel 3) am 3. November 1511 übereigneten.
Am selben Tag wurde der Maler auch Eigentümer des Hauses der Else Trinckwitz, das er im März 1513 gegen das Haus Markt 5 tauschte, wodurch er in den Besitz der beiden benachbarten Häuser Markt 4 und 5 kam (> s. Markt 5 und Haus der Trinkwitzin).
Ab 1512 zahlte Cranach für Markt 4 jährlich 100 Groschen Grundsteuer (Schoß). Diese Zahlungen sind bis 1517 durch die Schoßregister in den Jahresrechnungen der Ratskämmerei dokumentiert. In Markt 4 oder Markt 5 ist demzufolge 1515 Lucas Cranach d. J. geboren.
Im Zeitraum von Mai 1512 bis April 1514 bezog Cranach regelmäßig Ziegel aus der Amtsscheune, woraus zu schließen ist, dass er die Häuser für seine Bedürfnisse ausbaute.

Bereits 1517/18 verkaufte Cranach Markt 4 und Markt 5 wieder und erwarb das Anwesen Schlossstraße 1 (> s. Schlossstraße 1). Markt 4 versteuerte von 1518 bis 1522 Hans Moddo, dann Ambrosius Reuter. Reuter schätzte den Wert des Haues 1528 auf 500 Gulden, 1542 jedoch auf 1.600 Gulden, hatte also zwischenzeitlich erheblich investiert.

Im Jahre 1550 tauschte Cranachs Schwiegersohn Caspar Pfreundt sein Haus Markt 5 mit Ambrosius Reuter gegen dessen Anwesen Markt 4. Hintergrund dieses Tauschgeschäftes waren Schulden Reuters bei Pfreundt. Vielleicht stand dahinter auch das Bemühen Cranachs d. Ä., die Finanzen zu ordnen, was im Kontext seiner Übersiedelung nach Weimar in eben diesem Jahre plausibel wäre.

Das Haus Markt 4 wurde Anfang der 1990 er Jahre durch die Stadt Wittenberg erworben und sorgfältig saniert. In der 2015 eingerichteten Ausstellung sind auch viele Bauteile und originale Farbfassungen aus der Zeit der Cranachs zu sehen.
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Literaturhinweis

Insa Christiane Hennen, »Cranach 3 D«: Häuser der Familie Cranach in Wittenberg und das Bild der Stadt, in: Das ernestinische Wittenberg: Spuren Cranachs in Schloss und Stadt, im Auftrag der Stiftung LEUCOREA hrsg. von Heiner Lück u. a., (Wittenberg-Forschungen, Bd. 3), Petersberg: Michael Imhof Verlag 2015, S. 313-362. - Hier auch die ältere Literatur!