Luther 2017 Cranach 2015

Über das Gebäude

Polycarpus Kranach wird im Schoßbuch für den Zeitraum 1713–74 als Besitzer des Hauses Mittelstraße 4 (früher Jüdenviertel 165) geführt. Dort ist auch zu lesen, dass er von Beruf Fakultätsschreiber, als an der Universität beschäftigt war. Der Vorname deutet darauf, dass es sich um einen »Cranachspross« handelte, erinnert er doch an den berühmten Theologen Polycarp Leyser, den Schwiegersohn Cranachs d. J., Bewohner der Schlossstraße 1.

Das Haus Mittelstraße 4 weist im straßenseitigen Teil des Vorderhauses Reste der Bebauung des 16. Jahrhunderts auf, u. a. eine ausgedehnte Kelleranlage. Geprägt wird das Gebäudeinnere jedoch durch das anspruchsvoll gestaltete Treppenhaus und die Ausstattungsdetails des 18. Jahrhunderts, die auf jenen Polycarp Cranach zurückgehen könnten. Vor Polycarp Cranach gehörte das Haus Christian Gottlieb Ludewig, einem Buchhändler, der im Rat saß und auch als Bürgermeister wirkte. Paul Gottlieb Kettner berichtet in seiner 1734 publizierten ratsgeschichte, dass Ludewig als Antiquitäten- und Münzsammler hervorgetreten sei.

Zur Bauweise wird 1638 keine Aussage getroffen. Damals war das Anwesen im Besitz von Michael Geyer, einem Buchbinder. Geyer respektive seine Erben zahlten von etwa 1610 bis mindestens 1644 den Schoß, vorher der ebenfalls als Buchbinder tätige Heinrich Blume (ca. 1580 bis ca. 1610). Zur Zeit, als im Nachbarhaus Mittelstraße 5 Bartholomäus Vogel, später dessen gleichfalls im Buchgewerbe tätigen Nachfolger wohnten, waren also auch hier Personen dieser Berufsgruppe ansässig.
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Literaturhinweis

Insa Christiane Hennen, »Cranach 3 D«: Häuser der Familie Cranach in Wittenberg und das Bild der Stadt, in: Das ernestinische Wittenberg: Spuren Cranachs in Schloss und Stadt, im Auftrag der Stiftung LEUCOREA hrsg. von Heiner Lück u. a., (Wittenberg-Forschungen, Bd. 3), Petersberg: Michael Imhof Verlag 2015, S. 313-362. - Hier auch die ältere Literatur!