Luther 2017 Cranach 2015

Über das Gebäude

Christoph Cranach († 1596), ein Sohn Lucas Cranachs d. J., heiratete 1583 mit Veronica Vogel eine Tochter aus dem Buchhandelsmilieu und folgte damit dem Vorbild seines Bruders Augustin. Veronicas Vater Bartholomäus Vogel (1504–69) hatte zusammen mit Moritz Goltz und Christoph Schramm 1533 das Wittenberger Buchhandelskonsortium begründet, das 1534 mit dem Alleinvertrieb der Lutherbibel privilegiert worden war. Später bildete Vogel zusammen mit Samuel Selfisch und Conrad Rühel das Wittenberger Bibelkonsortium, dessen Monopol 1564 erneuert wurde. Barthel Vogel bzw. seine Witwe und später der gleichnamige Sohn besaßen das Haus Mittelstraße 5 (früher Elsterviertel 1) bis wenigstens 1592. Noch 1598 wurde es von Christoph Cranach resp. seiner Witwe versteuert, deren Nachfolger war zunächst der Verleger und Buchhändler Andres Hoffmann, dann der Buchhändler und Verleger Zacharias Schürer.

1528 war das Haus im Besitz des Gewandschneiders Valten Eberhards gewesen, der den Wert auf 1.300 Gulden einschätzte. Barthel Vogel gab 1542 einen Wert von 1.800 Gulden an.

1638 gehörte das Haus dem in den Rechtswissenschaften promovierten Dr. Thomas Tobias Mevius, Ehemann der Catharina Wüst, einer Enkelin Samuel Selfischs. Mevius, der neben seinen Tätigkeiten als Jurist, u. a. war er Hofgerichtsadvokat, einen Verlag betrieb, unterlag als Universitätsangehöriger nicht der Verpflichtung zur Einquartierung, so dass zur damaligen Bebauung in dem damals aufgestellten Einquartierungsverzeichnis nichts überliefert ist. Heute weist das Vorderhaus jedoch noch Fenstergewände und Zellengewölbe des 16. Jahrhunderts auf, und an einem Seitengebäude haben sich Reste polychromer Malerei erhalten, weshalb das Anwesen Mittelstraße 1 als eines der hervorragenden Zeugnisse des wirtschaftlichen Erfolgs des Wittenberger Buchgewerbes im Reformationsjahrhundert bezeichnet werden kann.
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Literaturhinweis

Insa Christiane Hennen, »Cranach 3 D«: Häuser der Familie Cranach in Wittenberg und das Bild der Stadt, in: Das ernestinische Wittenberg: Spuren Cranachs in Schloss und Stadt, im Auftrag der Stiftung LEUCOREA hrsg. von Heiner Lück u. a., (Wittenberg-Forschungen, Bd. 3), Petersberg: Michael Imhof Verlag 2015, S. 313-362. - Hier auch die ältere Literatur!