Luther 2017 Cranach 2015

Über das Gebäude

Ab 1521 war Cranach d. Ä. auch Eigentümer des Hauses Neustraße 8 (Jüdenviertel 146). Hierbei handelte es sich um einen Neubau auf einem Grundstück, das erstmals 1521 mit 16 Groschen Schoß pro Jahr belegt worden war.
1528 wurden in Cranachs Vermögensübersicht als Wert für das "kleyne hauss in der Newen gassen" 200 fl angesetzt. Er dürfte dieses Haus als Geldanlage und zur Vermietung erworben oder erbaut haben. 1540 verkaufte er es an den Stadtpfarrer Johannes Bugenhagen, dessen Familie dort bis zum Ende des Jahrhunderts ansässig blieb. Magister Johann Pommer, der Sohn des Stadtpfarreres, entrichtete für das Anwesen ab 1561 jährlich nicht mehr 16, sondern 30 Groschen, was mit dem Braurecht zusammenhängen dürfte, das der Wittenberger Rat dem Stadtpfarrer kurz vor seinem Tod ehrenhalber eingeräumt hatte. Ab 1595 zahlte zunächst Hans Schmidt, dann Magister Georg Müller den Schoß von 30 Groschen, gefolgt von Hans Richters Witwe und Hiob Wilhelm Fintzelius. Schmidt, Müller, Richter und Fintzelius waren Buchdrucker, Fintzelius auch Ratsmitglied und zeitweilig Bürgermeister. Die Neustraße entwickelte sich im Laufe des 16. Jahrhunderts zu einer von Universitätsangehörigen und Buchdruckern bevorzugten Gegend.

1638 wird auf dieser Hausstelle ein großes Haus mit zwei Seitenflügeln beschrieben, bestehend aus einem steinernen Erdgeschoss und zwei in Fachwerk aufgeführten Obergeschossen – „unten Stein, oben Holz“ – mit insgesamt zehn Stuben. Die Hausstelle wurde wie die benachbarten Anfang der 1990er Jahre mit einem Hotelkomplex überbaut, der die Parzellen Jüdenviertel 143 bis 150 zu einer Liegenschaft vereinigt. Bedauerlicherweise wurden damals die bis dahin vorhandenen Bauten oder deren Relikte nicht dokumentiert.
weiterlesen

Literaturhinweis

Insa Christiane Hennen, »Cranach 3 D«: Häuser der Familie Cranach in Wittenberg und das Bild der Stadt, in: Das ernestinische Wittenberg: Spuren Cranachs in Schloss und Stadt, im Auftrag der Stiftung LEUCOREA hrsg. von Heiner Lück u. a., (Wittenberg-Forschungen, Bd. 3), Petersberg: Michael Imhof Verlag 2015, S. 313-362. - Hier auch die ältere Literatur!