Luther 2017 Cranach 2015

Über das Gebäude

Auf der heute als Parkplatz und Durchgang zum Park genutzten Freifläche östlich des Vorschlosses (Jugendherberge) und westlich des Grundstücks Schloßstraße 13 befand sich vermutlich bis zur teilweisen Zerstörung der Stadt im Siebenjährigen Krieg am 13. Oktober 1760 ein Gebäude, für das Lucas III. Cranach (1541–1612), Sohn Cranachs d. J. aus erster Ehe, im Jahre1611 alles in allem 2ß 41gr 20d (161Groschen und 20 Pfennige) Schoß und sonstige Abgaben entrichtete.

Er war auf dieser Hausstelle Nachfolger der Witwe des Amtshauptmanns Hans von Kemnitz, der ab 1563 auch eine Badestube sowie ein weiteres Haus besessen hatte, beide ebenfalls auf diesem zum Schloss gehörenden Areal gelegen. Vom jüngeren Hans von Kemnitz übernahm Lucas Cranach III. 1610 die Hausstelle Coswiger Viertel 21. Ab 1612 zahlte Abel Volck (1575–1622) die Steuern; er hatte 1604 Euphrosina (1585–1627), eine Tochter Lucas III. Cranachs, geheiratet. Ihm gehörte dann auch das bereits erwähnte Haus Schlossstraße 4, das zwei Generatione zuvor im Eigentum des Goldschmieds und Cranach’schen Geschäftspartners Christiane Dörings gewesen war (> Schlossstraße 1).

Die auf 200 Gulden bezifferte Wertangabe im Türkensteuerregister von 1528 ist fast einhundert Jahre später nicht mehr aussagekräftig, da in der Zwischenzeit die Bebauung verändert worden sein dürfte. Im Register für 1542 finden sich keine Angaben zu dieser Liegenschaft, ebenso wenig 1638 im Einquartierungsverzeichnis, weil das Gebäude zu beiden Zeiten als Amts- bzw. Kommandantenhaus diente. Interessant ist hier die Nachbarschaft, einerseits das Schloss im Westen, andererseits das Grundstück Schlossstraße 13 (CV 20), wo Andres Garei ansässig war. Lucas Cranach III. hatte 1570 eine Anna Gareis geheiratet, die möglicherweise jener Familie entstammte, die Anfang des 16. Jahrhunderts in Markt 5 gesessen hatte.
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Literaturhinweis

Insa Christiane Hennen, »Cranach 3 D«: Häuser der Familie Cranach in Wittenberg und das Bild der Stadt, in: Das ernestinische Wittenberg: Spuren Cranachs in Schloss und Stadt, im Auftrag der Stiftung LEUCOREA hrsg. von Heiner Lück u. a., (Wittenberg-Forschungen, Bd. 3), Petersberg: Michael Imhof Verlag 2015, S. 313-362. - Hier auch die ältere Literatur!